"Der Barcode wird durch RFID niemals abgelöst“ - Interview mit Lothar Struckmeier, Geschäftsführer Nordic ID Deutschland

26.11.2011
Mobile Interaktion

Wann löst RFID den Barcode ab?

Der Barcode wird durch RFID niemals abgelöst, da er im Idealfall ohne Mehrkosten einfach auf das Produkt gedruckt wird. RFID erweitert die Möglichkeiten im Auto-ID-Umfeld jedoch enorm. Bei der ROI-Kalkulation schlägt RFID den Barcode sogar inzwischen häufig, weil die Nutzung der elektronischen Etiketten völlig neue Prozesse zulässt, die mit dem Barcode undenkbar sind. Pulk-Erfassung der Ware in geschlossenen Gebinden, Inventur in Minutenschnelle, Erfassung auf Distanz und durch Hindernisse – all das ist mit RFID realisierbar.

Immer kleiner – immer unhandlicher? Fragt der Handel nach immer kleineren Mobilscannern

Der Anwender und vor allem die Anwenderin im Handel schätzen leichte Geräte. Aber genau wie Ihre Frage andeutet, führt das nicht zu einer beliebigen Verkleinerung. Das richtige Verhältnis zwischen Displaygröße, Gewicht und Bedienbarkeit – speziell der Tastatur – ist entscheidend. Klare Gerätestrukturen und so wenige Tasten wie nötig erhöhen die Akzeptanz. Für uns und unsere Kunden ist es wichtig, die Anwender und Anwenderinnen auf der Fläche in den Auswahlprozess mit einzubeziehen. Nur so kann das ideale Gerät für den konkreten Einsatzfall gefunden werden.

Haben Sie Angst vor immer besseren Smartphones? Anders als den Mobilscanner hat der Manager das flache Gerät immer in der Tasche.

Der Manager ist nicht der typische Anwender unserer Geräte. Sicherlich wird sich das Smartphone im Consumer-Bereich als „Auto-ID-Gerät immer mehr etablieren. Im professionellen Einsatz ist es meist ungeeignet. Das zeigt sich immer wieder bei Auswahlverfahren, die von den späteren Anwendern begleitet und nicht am Konferenztisch entschieden werden.

Was will der Handel: Speichern der gescannten Artikel oder Übertragung in Echtzeit. Online oder über Mobilfunk?

Wir sind immer wieder erstaunt darüber, wie viele deutsche Handelsketten sich bewusst für eine Offline-Lösung entscheiden. Immer noch fürchtet man anscheinend die Einrichtung und Pflege der WLAN-Infrastruktur. Unsere skandinavischen Kunden gehen mehr und mehr dazu über, keine eigenen Strukturen aufzubauen sondern das überall verfügbare Mobilfunknetz zur Datenübertragung zu nutzen. Besonders smart ist es, dass man mit unseren Geräten auch ganz normal im GSM-Netz telefonieren kann.

Die Anbindung über WLAN ist nicht immer sicher. Was kann man tun?

Wir halten WLAN mit WPA2-Verschlüsselung und Austausch von Zertifikaten für sicher. Alternativ steht noch, wie bereits gesagt, das Mobilfunknetz zum Datenaustausch zur Verfügung.

Letztes Jahr haben Sie Gerry Weber als Kunden gewonnen. Was wurde bislang geschafft, welche Projekte stehen an?

Wir sind sehr stolz darauf, Gerry Weber von unserem RFID-Mobilcomputer „Merlin“ in einem harten Auswahlverfahren überzeugt zu haben. Dieses Leuchtturmprojekt zeigt, dass RFID absolut marktreif ist und sich ein schneller ROI realisieren lässt. Alle eigenen „Houses of Gerry Weber“ sind komplett mit RFID-Technik ausgestattet. Standardprozesse wie Vereinnahmung, Inventur, Diebstahlschutz sind erfolgreich umgesetzt. Da Gerry Weber 100 Prozent der produzierten Teile bereits bei der Herstellung mit RFID ausstattet, möchte man jetzt alle 2.000 Verkaufsstellen erfassen. Dazu gehören Franchise-Partner genauso wie die gesamte Wholesale-Struktur.

Seidensticker testet RFID in der Filiale. Was sind die Ziele?

Das Ziel bei diesem Projekt ist, mehr Transparenz in die Supply-Chain zu bringen. Durch Optimierung der Pick-and-Pack-Prozesse besteht die Möglichkeit, Cross-Docking bereits an der Quelle zu realisieren.

Interview: René Schellbach, iXtenso.com