"Europaweit ist Warenschwund leicht zurückgegangen"

Interview mit Hans-Jürgen Nausch, Global Account Manager bei Checkpoint Systems

30/03/2016

Warenschwund kostete den deutschen Einzelhandel 2014 rund 5 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis des "Globalen Diebstahlbarometers 2014/2015", der weltweit größten Studie zu den Ursachen und Kosten von Warenschwund im Einzelhandel. EuroCIS.com hat mit Hans-Jürgen Nausch von Checkpoint Systems über die Ursachen für Warenschwund und saisonale Höhepunkte beim Ladendiebstahl gesprochen.

Foto: Hans-Jürgen Nausch; copyright:Checkpoint Systems

"Ladendiebstahl schadet nicht nur den Margen des Handels, sondern auch der Warenverfügbarkeit in den Geschäften", erklärt Hans-Jürgen Nausch.

Herr Nausch, welches ist aktuell die Hauptursache für Warenschwund im deutschen Einzelhandel und wie hoch ist der Schaden, der den Händlern dadurch entsteht? 

Insgesamt sind rund 1,08 Prozent des Umsatzes, die dem Handel verloren gehen. Auf Ladendiebe ist nach wie vor der größte Anteil des Warenschwunds zurückzuführen. Laut aktuellem Diebstahlbarometer, das Anfang November veröffentlicht wurde, sind es in Deutschland 65 Prozent der Verluste. Ein besonderes Problem stellt dabei die organisierte Einzelhandelskriminalität dar, also Profi-Diebe, deren Ziel es ist, mit den gestohlenen Waren Geld zu machen. Das bevorstehende Weihnachtsgeschäft erweist sich laut Studie dabei als Hochphase des Warenschwunds.

Rund 11 Prozent der Verluste entstehen durch unehrliche Mitarbeiter – besonders häufig durch Bargeldbetrug am Point of Sale. Betrügerische Lieferanten und Hersteller sind für 5 Prozent der Verluste verantwortlich und 19 Prozent sind administrativen Fehlern zuzuordnen. 

Wie hat sich die Situation gegenüber den letzten Ausgaben des „Globalen Diebstahlsbarometers“ geändert? 

In Deutschland blicken wir auf eine recht stabile Entwicklung, europaweit ist Warenschwund leicht zurückgegangen. Die weltweiten Analysen von Teilnehmern, die mehrfach an der Studie teilgenommen haben, haben dagegen einen deutlichen Anstieg des Warenschwunds von 0,94 Prozent des Umsatzes auf 1,23 Prozent hervorgebracht. Insgesamt kann man also sagen, dass Warenschwund weiterhin ein ernstzunehmendes Problem darstellt, das die Margen des stationären Einzelhandels zusätzlich belastet.

Welche Produkte werden besonders häufig gestohlen? 

Zu den Klaurennern zählen vor allem Markenprodukte, die klein und hochwertig sind und sich gut verbergen lassen. Die Bandbreite reicht vom Klassiker Rasierklingen über angesagte Elektronikartikel, Smartphones, Elektrowerkzeuge, Modeaccessoires und Bekleidung bis hin zu hochwertigen Lebensmitteln und Spirituosen. Aus der Praxis wissen wir, dass es vor allem entscheidend ist, die Waren so zu entwenden, dass auch die Verpackung dabei nicht beschädigt wird. Nur in einem unversehrten Zustand und in Originalverpackung lassen sich die Produkte gut über das Internet oder andere Kanäle weiterverkaufen.

Foto: Kunde geht durch Ausgang; copy: Checkpoint Systems

RF-Systeme sind die meistverkauften Lösungen zur Elektronischen Artikelsicherung (EAS) im Einzelhandel. Sie eignen sich für alle Branchen von Lebensmitteln über Bekleidung bis hin zu Baumärkten.

Welche aktuellen Sicherheitslösungen helfen bei der Diebstahlsprävention? 

Im Bereich der elektronischen Artikelsicherung gibt es eine Vielzahl an Lösungen, die auch auf die Bedürfnisse einzelner Branchen eingehen. Neben einer Basissicherung mit z. B. Klebeetiketten setzen viele Händler auf spezielle Sicherungselemente, um besonders diebstahlgefährdete Produkte zu schützen. 
3-Alarm-Sicherungen beginnen beispielsweise auch zu schrillen, wenn jemand versucht, sie zu manipulieren. Flaschensicherungen verhindern zusätzlich das Öffnen einer Flasche im Geschäft. Und spezielle Leinensicherungen für Elektrowerkzeuge sichern auch abnehmbare Teile wie den Akku. 

Bei all diesen Maßnahmen ist es wichtig, zum einen einen besonders hohen Schutz – auch durch Abschreckung – zu bieten. Zum anderen soll der ehrliche Kunde in seinem Einkaufsverhalten aber nicht beeinträchtigt werden und ohne die Hilfe des Verkaufspersonals auf das Produkt zugreifen können. Das Einkaufs- und Produkterlebnis im Geschäft, dass man also einen Artikel anfassen und ggf. ausprobieren kann, ist schließlich ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil des stationären Handels gegenüber dem Online-Handel.

Andere Sicherungslösungen zielen darauf ab, professionelle Diebe frühzeitig zu entlarven. Folienbeschichtete Taschen oder Störsender können mittels innovativer Antennen bereits erkannt werden, wenn eine Person mit solcher Ausstattung ein Geschäft betritt. Im Idealfall kommt es dann erst gar nicht zur Durchführung einer Tat. 

Nicht zu vergessen ist natürlich, wie wichtig die Sensibilisierung und regelmäßige Schulung der Mitarbeiter ist. Die beste Technik kann dauerhaft nichts bewirken, wenn sie nicht ordnungsgemäß eingesetzt und damit ihr Potenzial genutzt wird. Wir empfehlen daher mindestens einmal pro Jahr die Mitarbeiter zu schulen.
Foto: Hartettikett copy: Checkpoint Systems

Hartetiketten sind ein optimaler Schutz für hochwertige Artikel. Als Farbetikett bieten sie eine wirkungsvolle Möglichkeit der Warensicherung auch außerhalb der Geschäftsräume.

Warum ist für Händler die Prävention wichtiger, als Diebe nach dem eigentlichen Diebstahl zu identifizieren und zu fassen? 

Jeder gefasste Dieb kostet zusätzlich Zeit und Geld. Es ist doch besser, wenn die Mitarbeiter sich auf Verkauf und Service konzentrieren können anstatt sich mit Ladendieben zu befassen. 

Vielleicht noch wichtiger ist aber die Sicherstellung der Warenverfügbarkeit und der Bestandsgenauigkeit. Wird ein Artikel gestohlen, entsteht nicht nur ein unmittelbarer Verlust. Wenn aufgrund von Diebstahl im Regal eine Lücke klafft und sich der enttäuschte Kunde dem Wettbewerb zuwendet, entgeht dem Einzelhändler auch das Folgegeschäft. Wer auf Omni-Channel-Strategien setzt, hat zudem Probleme mit der Bestandsgenauigkeit, wenn ein Artikel nur noch im System, aber nicht mehr physisch existiert. 

Eine Lösung bieten da erprobte RFID-Anwendungen. Dasselbe Etikett, das zur Warenverfolgung eingesetzt wird, kann auch zur Warensicherung verwendet werden. Kommt es dann zum Diebstahl, weiß der Einzelhändler sofort, welcher Artikel genau entwendet wurde und kann entsprechende Maßnahmen ergreifen, um diese Lücke im Bestand schnell zu schließen. 

Eine Lösung bieten da erprobte RFID-Anwendungen. Dasselbe Etikett, das zur Warenverfolgung eingesetzt wird, kann auch zur Warensicherung verwendet werden. Kommt es dann zum Diebstahl, weiß der Einzelhändler sofort, welcher Artikel genau entwendet wurde und kann entsprechende Maßnahmen ergreifen, um diese Lücke im Bestand schnell zu schließen.

Autor: Daniel Stöter; EuroCIS
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com