"Deutliche Entwicklung der Bezahlprozesse im Handel"

Interview mit Christoph von Lingen, Toshiba

Foto: Christoph von Lingen; Toshiba

Christoph von Lingen

07.03.2016

Self Checkout hat es gerade in Deutschland immer noch schwer - trotzdem kann es sich lohnen, in die entsprechende Infrastruktur zu investieren. Christoph von Lingen von Toshiba erläutert im Interview, welche Entwicklungen in den nächsten Jahren im Kassenbereich zu erwarten sind.

Herr von Lingen, Self Checkout ist aktuell ein wichtiges Thema im Handel. Wie sehen Sie die Situation im internationalen Vergleich?

Wir erproben unsere aktuellen Self Checkout-Lösungen gerade in einem Projekt mit real,- und haben in diesem und anderen Piloten festgestellt, dass es doch deutliche Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Markt gibt, was die Anforderungen an solche Systeme betrifft.

Dabei geht es vor allen Dingen um den Formfaktor: Wo in den U.S.A. große Geräte in jeder Kassenzone Platz finden, wünschen sich die europäischen Händler kleinere Systeme, die dafür aber flexibel auf verschiedene Nutzungssituationen anpassbar sein müssen. Mit unseren Self Checkout-Systemen können Händler ihren Kunden die verschiedenen Bezahlmöglichkeiten anbieten und benötigen dabei nur wenig Stellfläche. Die modularen Systeme sind mit separaten Scan-, Einpack- und Bezahlmodulen ausgestattet, die sich flexibel an die jeweilige Filialumgebung anpassen und konfigurieren lassen.

Foto: Checkout Real

© Toshiba

Welches Thema wird Ihrer Meinung nach den Handel in Deutschland in den nächsten Jahren besonders bewegen?

Natürlich ist Self-Checkout ein Thema, dem bereits seit einigen Jahren der Durchbruch auf dem deutschen Markt vorhergesagt wird. Momentan sehen wir hier jedoch bis auf die entsprechenden Pilotprojekte, die wir genauso wie andere Hersteller durchaus mit Erfolg durchführen, wenig Bewegung.

Ein anderes Thema, das nicht nur in der Industrie, sondern zunehmend auch beim Endkunden präsenter wird, ist der „Abschied“ vom Bargeld, also die Frage, ob sich bargeldloses Bezahlen weiter durchsetzen wird. Hier wird die Diskussion im Moment auch von der Politik befeuert, die über eine Abschaffung des 500 Euro-Scheins nachdenkt.

Wie wird also Ihrer Meinung nach der Kassenbereich in Zukunft aussehen?

Ich denke, dass die Entwicklung im Kassenbereich des Handels eher in die Richtung geht, dass man in Zukunft in jedem Laden Kassen haben wird, an denen nur bargeldlos bezahlt werden kann – per Karte, mit dem Smartphone oder mit einer anderen digitalen Methode. Ein solches Konzept setzt ja auch IKEA bereits mit seinen reinen Kartenzahlungskassen erfolgreich in Deutschland ein. Und weitere Neuerungen, wie zum Beispiel das Bezahlen über biometrische Gesichtserkennung, stehen bereits in den Startlöchern.

In den nächsten fünf Jahren werden wir daher meiner Meinung nach eine deutliche Entwicklung sehen, was die Bezahlprozesse im Handel angeht. Andere Länder, zum Beispiel in Skandinavien, sind da schon deutlich weiter und es ist dort vollkommen üblich, auch Kleinstbeträge mit der Karte zu bezahlen. Das wird auch hier in Deutschland so kommen – das sehen wir in unserem Projekt mit real,-, wo immer mehr Kunden an den Kassen bargeldlos bezahlen. Das Thema Self-Checkout dagegen wird zumindest hierzulande weiter eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Welchen Stellenwert hat die EuroCIS als Messe für Ihr Unternehmen?

Die EuroCIS ist immens wichtig für uns! Sie bietet sowohl unseren Kunden als auch uns die Möglichkeit, kompakt und konzentriert den Austausch zwischen den relevanten Fachleuten zu schaffen. Außerdem wird die EuroCIS natürlich auch von den wichtigsten Entscheidungsträgern der Branche besucht. Wir können uns hier also nicht nur Impulse für die Entwicklung neuer Produkte holen, sondern erreichen auch unsere Kunden - sowohl Bestands-, als auch Neukunden - so direkt wie nirgends sonst. Die EuroCIS ist für uns ein absoluter Pflichttermin in der jährlichen Messeplanung!


Autor: Daniel Stöter; EuroCIS
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com