"Regallücken rächen sich heute stärker denn je"

Interview mit Hans-Jürgen Nausch, Global Account Manager bei Checkpoint Systems

01.04.2015

Die Verbindung von Sicherheitssystemen mit anderen Lösungen - zum Beispiel der Warenwirtschaft - ist ein Thema, das in der Handelsbranche immer häufiger diskutiert wird. Über die Einbindung von Sicherheitselementen in Gesamtlösungen haben wir auf der EuroCIS 2015 mit Hans-Jürgen Nausch, Global Account Manager bei Checkpoint Systems, gesprochen.
Bild: Hans-Jürgen Nausch; copyright: Checkpoint Systems

Hans-Jürgen Nausch: "Entscheidend ist, dass der Händler jederzeit weiß, wo sich seine Ware befindet." © Checkpoint Systems

Herr Nausch, was war der Schwerpunkt der Präsentation von Checkpoint Systems auf der EuroCIS 2015?

Unser Messeauftritt in diesem Jahr stand unter dem Motto „From Source to Shopper“. Besucher an unserem Stand konnten erleben, wie sich eine komplett lückenlose Warenverfolgung mit RFID-Lösungen (Software, Hardware und Labels) von der Produktion bis in den Laden hinein realisieren lässt. Denn der Händler hat natürlich großes Interesse daran, dass die Kunden im Laden immer volle Regale mit den gewünschten Produkten vorfinden. Regallücken rächen sich heute stärker denn je, denn der Wettbewerbsdruck wird immer größer. Ein Kunde, der das gewünschte Produkt nicht vorfindet, wechselt heute schneller als früher zur Konkurrenz und kommt erst einmal nicht mehr wieder in den fraglichen Laden.

Um Regallücken effektiv zu vermeiden, muss der Händler aber natürlich wissen, ob die produzierte und bestellte Ware genau in der richtigen Stückzahl in seinem Lager landet. Hat er von Anfang an einen umfassenden Überblick über die Bestandssituation, kann er sich flexibel entscheiden, ob die Ware im stationären Geschäft oder im Onlineshop verkauft werden soll. Diese Flexibilität ist wichtig, um auch kurzfristig Bestandslücken im Laden aufzufüllen, oder um ein Produkt, das sich online besonders gut verkauft, immer im entsprechenden Lager vorrätig zu haben.

Das Thema der lückenlosen Warenverfolgung war auf jeden Fall einer der Schwerpunkte unseres Auftritts auf der EuroCIS. Damit zeigen wir, dass heute alle Prozesse weiter zusammenwachsen und eine exakte Kontrolle der logistischen Prozesse schlussendlich auch zum Mehrverkauf im Laden führt.
Wie funktioniert das Ganze in der Praxis?

In der Praxis haben viele Händler das Problem, dass die Ware zwar laut Datenbank bereits im Lager angekommen ist, sie jedoch in diesem Moment eigentlich bereits im Verkaufsraum benötigt wird. Durch die Warenverfolgungslösung habe ich jederzeit im Blick, ob die Ware schon im Lager eingeräumt wurde oder gerade erst angeliefert worden ist. So kann ich das entsprechende Produkt immer schnell finden und entstehende Regallücken sofort wieder schließen. Da ich gleichzeitig auch immer den Überblick habe, welche Ware mit welchen Charakteristiken sich noch im Verkaufsraum befindet, kann ich sie aufs Einzelstück genau nachräumen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn bei einem Modehändler ein Teil nur in einer bestimmten Größe im Regal fehlt.

Wie sieht es denn mit dem Thema Sicherheit aus – was haben Sie aus diesem Bereich neues vorgestellt?

Naturgemäß war das Thema Sicherheit unser zweiter Schwerpunkt auf der Messe. Mit der neu entwickelten Komplettlösung S3i haben wir auf der EuroCIS ein kabelloses Instore-Netzwerk vorgestellt. Mit dieser Lösung können Händler besonders gefährdete Waren innerhalb des Ladens in Echtzeit verfolgen.

Werden mit den entsprechenden Etiketten gesicherte Waren in vorher definierte Zonen - wie zum Beispiel Umkleidekabinen oder Toiletten - gebracht, erhalten die Verkäufer eine Alarmmeldung auf ihren mobilen Endgeräten und können so dem Ladendiebstahl vorbeugen. Eine offensive Alarmierung durch Licht- oder Tonsignale im Laden ist natürlich auch möglich. Das System ist aber noch intelligenter: Es erkennt auch bestimmte Bewegungsmuster, zum Beispiel wenn drei oder vier Artikel des gleichen Typs in einen bestimmten Bereich mitgenommen werden. Über eine Kartenansicht auf seinem Mobilgerät kann der Mitarbeiter genau erkennen, welches Produkt sich wo in der jeweiligen Zone befindet. Mit dieser Lösung sind wir aber ganz klar fokussiert auf den Schutz hochwertiger und hochpreisiger Waren – ein so umfassendes Warnsystem lohnt sich nicht für jede 30-Euro-Jeans in einem Modeladen.
Bild: gesicherte Schultertasche; copyright: Checkpoint Systems

Die Warensicherungskomponenten lassen sich nur mit einem speziell auf das Netzwerk codierten Schlüssel öffnen. © Checkpoint Systems

Die Verknüpfung von Sicherheitstechnologien mit anderen Instore-Applikationen ist derzeit ein großes Thema. Wie schätzen Sie die Möglichkeiten ein, die sich hier bieten?

Das ist richtig und es gibt natürlich viele Bereiche im Handel, wo sich hier positive Effekte erzielen lassen. Dementsprechend steht für uns als Unternehmen auch gar nicht mehr so sehr die reine Warensicherung im Vordergrund. Unser Anspruch ist die komplette, lückenlose Warenverfolgung von der Produktion über das Lager bis in den Store. Dabei ist die Sicherheit mehr ein – natürlich nach wie vor wichtiger – Teilaspekt der Gesamtlösung.

Entscheidend ist, dass der Händler jederzeit weiß, wo sich seine Ware befindet. Diese Informationen haben Einfluss auf eine ganze Reihe anderer Aspekte, zum Beispiel auf die Planung von Marketingaktionen. Und für einen ertragreichen Mehrverkauf ist wiederum die Warensicherung wichtig. Diese Verbindung verschiedener Anwendungen gab es so vor einiger Zeit noch nicht, schon gar nicht mit diesem umfassenden Anspruch.

Daher kann man ganz klar sagen: Die Sicherheit wächst im Handel immer mehr mit anderen Anwendungen zusammen, die die operative Performance des Händlers verbessern. Hier ergibt sich in vielen Fällen ein nicht zu vernachlässigender Mehrwert für den Händler.

Autor: Daniel Stöter; EuroCIS
Erstveröffentlichung auf iXtenso.com