Aussteller berichten über neue Kassen-Aufträge

14/02/2012
Innovation an der Kasse

Eine moderne Kasse kann mehr als nur kassieren. Die EuroCIS bietet allen Händlern etwas. Wenige Wochen vor Messebeginn zeichnen sich einige Highlights rund um die Kasse bereits ab. Während einige Aussteller ihre neuen Produkte hervorheben, können andere über größere Aufträge aus dem Handel berichten.

Aktuell stehen bei den neuen Kassen – analog zum EuroCIS-Forum Multi-Channel – Anwendungen im Vordergrund, welche die neuen Kassen fit machen für die Einlösung von Coupons aus dem Internet oder vom Smartphone, die Gewinnspiel-Aktionen der verschiedenen Vertriebswege abwickeln oder Coupons generieren können. Immer wichtiger wird auch die Verbuchung von Kundenkartensystemen. In beratungsintensiven Geschäften sollen die Kassen außerdem das Personal bei der Kundenberatung unterstützen, Cross- und Up-Selling ermöglichen. Dabei gilt wie schon seit Jahren: Das Kassieren soll möglichst schnell gehen, um Warteschlangen an der Kasse zu vermeiden.

Fast alle Anwender wünschen sich inzwischen Touchscreen-Kassen. Wer höherpreisige Artikel verkauft und auf ein gepflegtes Shopping-Ambiente Wert legt, für den spielt auch das Design eine Rolle. Hier unterscheiden sich die modernen Touch-Kassen oft nur wenig: Unter dem berührungsempfindlichen Bildschirm befindet sich eine leistungsfähige PC-Kasse. Auf der EurooCIS findet man jedoch auch dieses Jahr wieder sehr design-orientierte Geräte.

Kampf um neue Kunden und gute Referenzen

Das ganze Jahr über bemühen sich die Kassenhersteller und Software-Anbieter um die Verbreitung neuer Auftrage in den Fachmedien. Manche Orders prestigeträchtiger Kunden sind besonders knapp kalkuliert. Das damit verbundene Renommée bei anderen Interessenten ist ihnen wichtiger als ein rascher Gewinn. Immerhin kann man auf Folgeaufträge und Einnahmen aus dem Service hoffen, wenn man den Deal erst einmal in der Tasche hat. Mancher Mittelständler unter den EuroCIS-Besuchern nimmt die großen Abschlüsse zwar zur Kenntnis, passender fürs eigene Business sind aber Referenzen von Händlern vergleichbarer Größe oder aus der eigenen Branche.

Egal ob große Handelszentrale oder kleiner Fachhändler – es ist für die Anbieter nicht leicht, einen Wettbewerber vom Kassenplatz zu verdrängen. Wenn es doch klappt, hat der Erfolg meist mehrere Gründe: Das Handelsunternehmen ist rasch gewachsen, Soft- und Hardware am POS konnten nicht Schritt halten, Nachbesserungen gingen immer mehr ins Geld. Oder der Hersteller hat infolge Umstrukturierung wichtige Ansprechpartner verloren, reagierte nicht mehr wie früher auf die Wünsche der jeweiligen Auftraggeber. Der Preis pro Kasse ist in der Regel nicht der Scheidungsgrund, denn auch die Umrüstung kostet Geld. Kluge Investoren achten eher auf die Total Costs of Ownership, die den laufenden Unterhalt in die Berechnungen einbeziehen.

Händler sind nicht immer bereit, über neue Aufträge zu berichten. Sie wollen den Wettbewerbern ihre Erfolgsrezepte nicht zu früh verraten. Diese zu verbergen, ist an der Kasse jedoch viel schwerer als etwa bei der ERP-Software, denn an den Geräten sieht jeder Besucher die entsprechenden Firmenlogos und selbst wenn diese fehlen, wissen geübte Späher, wer die Produzenten sind.

Im Folgenden beleuchten wir beispielhaft drei neue Aufträge. An den Messeständen der EuroCIS wird man über zahlreiche weitere Referenzen diskutieren. Dann kommen hinter vorgehaltener Hand auch Namen zur Sprache, die man vor und nach der Messe nicht in Verlautbarungen lesen kann.

C&A holt Torex in 1.500 Filialen

Die Modekette C&A hat sich dafür entschieden, in 19 europäischen Ländern die Kassenlösung Torex POS zu implementieren. Die damit verbundene international einsetzbare POS-Software deckt alle fiskalischen Anforderungen in den unterschiedlichen Ländern ab. Die erste Installationen sind ab August 2012 geplant. In allen 1.500 europäischen Filialen von C&A soll die Kassen bis Ende 2014 stehen. Torex und C&A wollen mit der Implementierung eine langfristige Partnerschaft über mindestens zehn Jahre eingehen.

Neue Software von Gebit für dm-Kassen

Je vielfältiger die Anforderungen werden, desto mehr kommt es auch auf die Software an. Nicht immer entscheiden Händler sich für die Software vom Hersteller, manche wählen lieber Angebote spezialisierter Anbieter oder entwickeln eigene Lösungen, wie etwa dm-drogeriemarkt. Der Filialist setzt in seinen europäischen Geschäften das von Grund auf neu entwickelte touchscreenbasierte Kassensystem dmPOS ein. Trotz bereits vollzogener Modernisierung des POS durch einer moderne Standardsoftware entschied sich dm für den Wechsel auf eine Individualentwicklung. Hauptgründe waren laut Gebit Solutions die mangelnde Flexibilität der Standardlösung und Unzufriedenheit mit den beauftragten Anpassungen.


Als Referenz führte das Beratungshaus Gebit das erfolgreich für Obi umgesetzte Warenwirtschafts- und Kassensystem ins Rennen, bei dem man eigenen Angaben zufolge die Zeit- und Budgetvorgaben eingehalten hatte. Bei dm dauerte es vom Projektbeginn bis zur Inbetriebnahme der ersten Filiale 15 Monate. Zwei Monate benötigte man zur Installation in 1.000 deutschen Filialen. Mittlerweile sind europaweit in 2.500 Filialen 7.600 Kassensysteme umgestellt. Dazu gibt es auch ein Internet-Video.

SAP-Anbindung mit Awek bei FrischeParadies

Neue Kassen müssen sich einfügen in vorhandene IT-Landschaften. Ein Beispiel dafür ist FrischeParadies, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Spezialmarkt und Lieferant für feinste Lebensmittel. Die Firma führte in ihren acht Märkten neue Kassen von Awek ein, die an die zentrale SAP-Warenwirtschaft angebunden sind. Awek lieferte auch die Software und entwickelte die notwendige SAP-Schnittstelle, berichtet SAP auf seiner Kundenwebsite. Jetzt können direkt an der Kasse Lieferscheine und Rechnungen für Großverbraucher und Gastronomie ohne Mehrwertsteuer wie auch Kassenbons für Endverbraucher gedruckt werden. Ihnen allen bietet das Unternehmen sein Vollsortiment aus mehr als 5.000 Lebensmitteln an. Vor der Umstellung waren weder die Waagen noch die EC-Cash-Terminals direkt mit der Kasse verbunden. Anfallenden Daten mussten von den Mitarbeitern per Hand in SAP ERP eingegeben werden.

So unterschiedlich wie die Beispiele sind die Bedürfnisse, mit denen die Ausstellungsbesucher zur EuroCIS nach Düsseldorf kommen. Wer sich vorab über Kassensysteme und Kassensoftware informieren möchte, findet hier den laufend aktualisierten Aussteller-Überblick der Messe Düsseldorf.

René Schellbach, EuroCIS.com