Erfolgreiches Zusammenspiel von Mensch und Technik – Detektiveinsatz im Handel

03.06.2013

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Jedes Jahr werden weltweit über sechs Millionen Ladendiebe gefasst, aber das ist erst die Spitze des Eisbergs, wie das britische Centre for Retail Research in einer neuen Analyse zur Entwicklung der Einzelhandelskriminalität und Verlustprävention seit 2001 festgestellt hat. Die Dunkelziffer ist weitaus höher.

Mehr als 78 Prozent der Inventurdifferenzen gehen auf das Konto von Ladendieben und unehrlichen Mitarbeitern. An jedem Verkaufstag klauen Langfinger Waren im Wert von durchschnittlich sechs Millionen Euro. Am häufigsten verschwinden wertvolle Waren etwa aus den Kategorien Unterhaltungselektronik, Parfum und Sportsbekleidung. In Supermärkten stehen sogar verderbliche Produkte wie Frischfleisch auf dem Einkaufszettel der Ladendiebe.

Einzelhändler investieren in Sicherheit und Prävention

Vor diesem Hintergrund hat der Handel gerade in der letzten Zeit kräftig Gegenmahmen investiert. Inzwischen sind 75 Prozent der besonders gefährdeten Produkte gegen Ladendiebstahl geschützt. Zum Einsatz kommen verschiedene Technologien für die elektronische Artikelsicherung (EAS). Über 80 Prozent der Händler sehen in der Diebstahlsproblematik außerdem einen der Hauptgründe für den künftigen Einsatz von RFID-Technologie.

Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) hat die aktuelle Situation im Blick: „Es sind vor allem Ladendiebstähle in ihren unterschiedlichen Formen wie Gelegenheitsdiebstähle, Beschaffungskriminalität, Diebstahl auf Bestellung und Bandendiebstähle, die mit Abstand das größte Problem darstellen. Der Handel investiert daher jährlich rund 1,2 Milliarden Euro, um Ladendiebstähle zu begrenzen. Insbesondere der Detektiveinsatz, Kamerainstallationen, Warensicherungssysteme, Personalschulungen und vor allem aufwändige Datenanalysen zur Erkennung von Schwachstellen gewinnen dabei aktuell weiter an Bedeutung“, kommentiert HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Nur die Kombination von Mensch und Technik bringt Erfolg

Damit hat Genth auch bereits das Erfolgsrezept für einen umfassenden Schutz gegen Diebstähle umrissen: Der Handel investiert sowohl in Sicherheitspersonal als auch in moderne Sicherheitstechnik, da beide jeweils Schwächen aufweisen. Denn keine noch so ausgereifte Technik kann die Intuition und Erfahrung eines geübten Ladendetektivs ersetzen. Andererseits kann auch der Detektiv seine Augen nicht überall haben. Hier hilft ihm dann eine umfassende Videoüberwachung (vielleicht sogar ergänzt um intelligente Videoanalyse) dabei, Diebstähle und verdächtiges Verhalten zu erkennen, die ihm sonst vielleicht entgangen wären.

„Das Bauchgefühl des Sicherheitspersonals ist das wichtigste Gut in der Langfinger-Bekämpfung“, meint daher auch Jens Dubberke, Marketingleiter des Videosicherheits-Spezialisten Aasset Security. „Detektive haben aber das Problem, dass sie nur sehr schwer ohne Aufmerksamkeit zu erregen kriminelle Handlungen beobachten können. Und wenn sie sich als Detektive zu erkennen geben, sind sie für Langfinger leider recht leicht einzuschätzen. Dafür profitieren sie natürlich von ihrem geschulten Auge und menschlichen Erfahrungswerten.“

Mit Hilfe der Videotechnik kann aber der Detektiv unter Umständen auch vom Kontrollraum aus Diebstähle erkennen, da er hier einfach eine bessere Übersicht über den Laden hat, als wenn er durch die Gänge läuft.

Kleinere Händler profitieren besonders von neuer Videotechnik

Wenn also der kombinierte Einsatz von Mensch und Technik den größten Erfolg verspricht, so gilt es dabei auch zu beachten, dass dies auch eine doppelte Investition bedeutet. Für kleinere Händler kann es daher günstiger sein, komplett auf die Videoüberwachung zu setzen. Datenanalyse-Software beobachtet Kunden und kann heute relativ zuverlässig verdächtiges Verhalten identifizieren. Gerade kleinere Einzelhändler setzen heute daher komplett auf digitale Kaufhausdetektive, um Langfinger zu entlarven.

Videoanalyse auf dem Vormarsch

In Deutschland sind einer EHI-Untersuchung zufolge bereits 80 Prozent der großen Einzelhändler mit Videosystemen ausgestattet. Viele nutzen die verfügbaren Analysefunktion spezieller Softwarepakete, die einige Vorteile bieten: So verfügen sie zum Beispiel über eine Pre-Buffer-Funktion, mithilfe derer sich die letzten 30 Sekunden vor einem Diebstahl anzeigen lassen. So können Ladendetektive das Verhalten der Diebe untersuchen und im Bedarfsfall eingreifen.

Zu den untersuchten Faktoren können dabei ganz unterschiedliche Bewegungsmuster zählen: Manche Systeme registrieren Auffälliges im Gesicht einer Person, wie zum Beispiel plötzliche Schweißausbrüche. Sind die Fotos notorischer Diebe in einer Datenbank gespeichert, wird bereits Alarm ausgelöst, sobald registrierte Personen ein Geschäft betreten. Auch Gehrichtung und – der Kunden können untersucht werden. So erhalten die Detektive bei der Auswertung von Ladendiebstählen Hinweise über das typische Verhalte der Diebe.

Ausbildung des Personals darf nicht vernachlässigt werden

Damit die Sicherheitslösungen ihr volles gemeinsames Potential ausspielen können ist es wichtig, dass das Sicherheitspersonal im Umgang mit der Technik geschult wird und sie im täglichen Gebrauch sicher einsetzen kann. Alles andere ist dann eine Frage der Erfahrung des Personals. Das Verhalten von professionellen Ladendieben ist häufig schwer zu erkennen, selbst mit modernster Analysesoftware. Ein erfahrener Detektiv nimmt dagegen schon kleinste Hinweise wahr und kann sie richtig einordnen.

Zusammenspiel aller Sicherungsmöglichkeiten

Fest steht also: Man kann nicht eine Sicherheitslösung gegen die andere austauschen. Es kommt vielmehr auf eine sinnvolle Kombination der Systeme an. Auch die Abschreckungswirkung, die von gut sichtbar angebrachten Kameras ausgeht, ist nicht zu unterschätzen und kann unter Umständen zumindest kurzentschlossene und spontane Diebstähle verhindern.

Daniel Stöter, EuroCIS.com