Hokuspokus Verschwindibus – die Tricks der Ladendiebe sind teuer für den Handel

21/11/2011
Retail Security

Ladendiebe haben es im Handel immer schwerer. In Deutschland geht seit Ende der neunziger Jahre laut Polizeilicher Kriminalstatistik die Zahl der Ladendiebstähle kontinuierlich zurück. Aber: Die Kriminalstatistik erfasst nur die angezeigten Fälle, die Dunkelziffer nicht erwischter Täter ist hoch. Und einige Händler berichten, dass sie Ladendiebe nicht immer anzeigen, weil sie den bürokratischen und zeitlichen Aufwand scheuen. So genannte „Klaukids“, die womöglich gewohnheitsmäßig von Erwachsenen losgeschickt werden, würden von den Behörden als Minderjährige kaum belangt, beklagen Händler.

„Langfinger haben es schwer im Einzelhandel. Die Investitionen der Handelsunternehmen in Präventionsmaßnahmen zahlen sich aus“, meint Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland. Neben geklauter Ware für rund zwei Milliarden Euro im Jahr, bezahlt der Einzelhandel laut HDE jährlich rund eine Milliarde für die Prävention – von Detektiven über Raumüberwachung per Video bis hin zur Artikelsicherung. Das sind laut HDE zusammen knapp 0,8 Prozent des Jahresumsatzes des Einzelhandels. Das internationale Diebstahlbarometer des britischen Centre for Retail Research liegt wie in den Vorjahren mit seinen Schätzungen darüber. Es beziffert den Diebstahl-Schaden deutscher Händler auf aktuell 1,12 Prozent vom Umsatz. Die Untersuchung wird finanziell unterstützt und zur Berichterstattung genutzt von Checkpoint Systems, Spezialist für Warensicherung.

Stefan Genth vom HDE warnt: „Mit Sorge beobachten wir, dass die besonders schweren Fälle des Ladendiebstahls 2009 weiter zugenommen haben". Das Plus lag bei 14 Prozent und erreichte 11.037 angezeigte Delikte. Bei solchen schweren Ladendiebstählen handele es sich oft um bestellte Diebstähle, die von Banden verübt werden. Sie würden erheblichen Schaden verursachen und vielfach auch die Mitarbeiter in den Geschäften gefährden.

Die Schwankungen innerhalb der Handelssegmente sind erheblich. Besonders hoch ist der Schaden bei Markenartikeln, die klein und teuer und leicht einzustecken sind. Renner bei den Dieben sind Modeartikel, Schönheitspflegeprodukte, Rasierartikel, Feinkost, Spirituosen oder auch DVDs und CDs.

Es kommt auf das Personal an

Eine wichtige Rolle bei der Prävention spielt das Personal. Darauf weisen Experten immer wieder hin, so auch Jens Dubberke, Marketing-Leiter des Security-Großhändlers AASSET, im EuroCIS-Interview

Er betont: „Das Bauchgefühl des Sicherheitspersonals ist das wichtigste Gut in der Langfinger-Bekämpfung.” Schulungen für die Mitarbeiter sind nötig, damit sie die von der Überwachungstechnik erfassten Tricks der Diebe auch erkennen. Selbstkritisch räumen viele Händler ein, dass man gegenüber Kunden zu selten Verdacht schöpft. So können Kunden anstandslos mit vielen Teilen in der Kabine verschwinden. Wer seine Kunden jedoch immer wieder anspricht, signalisiert ihnen: „Du bist nicht allein.“ Allerdings gibt es oft viel zu wenig Personal im Laden, um alles im Blick zu halten. Umso mehr kommt es auf die Technik oder externe Detektive an.

Doch das Thema Personal hat eine zweite, heikle Seite. Die eigenen Mitarbeiter können auch selbst zu Tätern werden – und dann ist der Schaden pro Delikt meistens besonders groß. Das Centre for Retail Research ermittelt, dass mehr als die Hälfte der Verluste des Handels auf das Konto von Kunden geht, gut ein Viertel verschwindet jedoch durch unehrliche Mitarbeiter. Wenn sie länger im Unternehmen sind, kennen sie die Schwachstellen der eigenen Firma. Frustrierte Mitarbeiter klauen eher als motivierte. Neben externen und internen Ladendieben nennen die Forscher auch interne Fehler und Lieferanten als Ursachen für Inventurdifferenzen.

RFID: Hoffnung für Artikelsicherung und Logistikkette

Ein Dauerbrenner bei der EuroCIS sind seit Jahren Vitrinen, Leinensicherungen, Video-Technik zur Raumüberwachung, Sicherheitsetiketten und Ausgangsschleusen. In den letzten Jahren rückt die Radiofrequenz-Identifikation (RFID) immer mehr in den Fokus des Handels. Viele Aussteller sind optimistisch, dass aus den bisherigen Einzelprojekten jetzt flächendeckende Anwendungen werden. RFID dürfte sich zunächst für Textil- und Schuhgeschäfte lohnen. Allerdings, so erklärt Johannes Schick, Geschäftsführer von höltl Retail Solutions, im aktuellen EuroCIS-Interview müssen die Händler noch recht oft selbst die Artikel mit den Funketiketten ausstatten, da dies erst wenige Lieferanten machen. Die Etiketten dienen jedoch nicht nur der Warensicherung, sie erleichtern auch den Umgang mit der Ware „auf der Fläche“, weil beim Ein- und Umräumen nicht jedes Mal jeder einzelne Artikel mit einem Handscanner neu erfasst werden muss. Stattdessen „funken“ die Artikel quasi kistenweise oder direkt vom Regal oder Bügel. Wenn die Sicherung irgendwann bereits an der Quelle, beim Hersteller erfolgt, entfalten die RFID-Etiketten diesen Vorteil entlang der gesamten Lieferkette. höltl und andere Aussteller sind davon überzeugt, dass RFID im Handel bald so selbstverständlich sein wird wie der Barcode.

René Schellbach, EuroCIS.com