Lokaso Siegen stärkt effektiv den regionalen Einzelhandel

Sprungbrett in den eCommerce mit messbarem Erfolg

12.12.2016

Local Commerce-Ansätze gibt es aktuell wie Sand am Meer. Keiner davon funktioniert jedoch so nachhaltig, dass der stationäre Einzelhandel tatsächlich davon profitiert. Dies hat auch Patrick Schulte von billiton erkannt und mit Lokaso ein neues System geschaffen, um regionale Produkte wieder in den Vordergrund zu rücken..
Bild: Kiste voll mit regionalen Produkten; copyright: Jessica Moos, Lokaso GmbH

© Jessica Moos, Lokaso GmbH

Herr Schulte, welches Ziel verfolgen Sie mit der Plattform Lokaso Siegen und warum haben Sie diese entwickelt?

Schulte: Das übergeordnete Ziel ist natürlich, den Einzelhandel in der Region Siegen zu stärken. Ich habe mir verschiedene Konzepte angeschaut, war auf verschiedenen Veranstaltungen und habe kein System gefunden, das funktioniert.

Im Prinzip hat ein Einzelhändler eigentlich nur zwei Ziele: Er möchte Umsatz generieren, ohne zu viel Zeit in die Umsetzung investieren zu müssen. Er ist Experte in seinem Gebiet, hat aber von eCommerce im Regelfall keine Ahnung. Besitzt er bereits einen eigenen Shop, fehlt ihm häufig die Reichweite, um online wahrgenommen und auch gekauft zu werden. Genau das löst Lokaso, ohne eine Hürde für den Einzelhändler oder für den Endkunden aufzubauen.
Bild: Patrick Schulte; copyright: Britta Krämer, billiton GmbH

Patrick Schulte ist einer der Geschäftsführer der Lokaso GmbH; © Britta Krämer, billiton GmbH

Wie ging es dann weiter?

Schulte: Wir haben ein System entwickelt, dass einerseits im Rahmen einer Suchmaschine aufzeigt, welche Produkte in der Region verfügbar sind und dann online gekauft werden können.

Um den Jahreswechsel 15/16 herum starteten wir mit der Entwicklungsphase. Unser primäres Ziel war es, die Vielfalt der Produkte abzubilden. Daher kümmern wir uns persönlich um die Datenanbindung jedes Einzelhändlers. Über eine Schnittstelle an das Warenwirtschaftssystem erhalten wir automatisch die Vollbestände. Dadurch steigt unser Artikelbestand, aber immer mit Echtzeitabgleich, um sicherzustellen, dass das, was im System zu finden ist, auch wirklich lieferbar ist. Es gibt natürlich Händler, die keine Warenwirtschaft oder digitalen Bestände haben. Für sie bieten wir zwei Lösungen an: Eine kleine iPad-Kasse und ein etwas größeres System, die den Händler in die Lage versetzen, den Prozess im Ladenlokal digital nachzuhalten.

Welchen Service bieten Sie darüber hinaus für den Einzelhändler?

Schulte: Wir wollen dem Einzelhändler alles abnehmen und dafür sorgen, dass er Geschäfte macht. Das haben wir einmal über die digitale Anbindung erreicht, aber auch, indem wir uns um das gesamte Marketing kümmern. Für Einzelhändler mit kleinen Beständen machen wir außerdem Produktfotos oder schreiben kurze Texte. Das Komplettpaket kostet in Siegen zwischen 99 und 149 Euro netto im Monat – wobei ein Großteil in der Region für das Marketing verwendet wird. Des Weiteren verwenden wir einen geringen prozentualen Anteil vom Warenumsatz einer Bestellung, um den Lieferservice zu finanzieren. Wenn der Kunde einen Artikel nur online reserviert, fallen natürlich keine auf den Umsatz bezogenen Kosten an. Das forcieren wir auch. Wir stellen die Kontaktdaten sehr prominent dar und verlinken bei Bedarf auch auf einen externen Shop. Somit wird der Händler auch stationär gestärkt.

Darüber hinaus erfolgt die komplette Abwicklung der Bestellung über Lokaso: Die Bestellung geht bei uns ein und wird von uns an den Einzelhändler weitergeleitet. Des Weiteren erhält er eine Information, wann die Produkte bei ihm angeholt werden. In der Regel hat er dann eine Stunde Zeit, um die Waren zu verpacken.
Bild: Screenshot der Lokaso Startseite; copyright: Screenshot "www.siegen.lokaso.de"

38 Einzelhändler sind bereits auf Lokaso zu finden, bei denen insgesamt etwa 650 Bestellungen getätigt wurden
© Screenshot "www.siegen.lokaso.de"

Wie haben Sie die Einzelhändler der Region von Lokaso überzeugen können?

Schulte: Indem wir uns zum Ziel gesetzt haben, dass ein Prozent des in der Region schon existenten eCommerce-Umsatzes in die Region umgeleitet wird. Das sind aktuell pro Tag etwa 350.000 Euro – linear heruntergerechnet von deutschen Statistiken – und würde heißen, dass wir 3.500 Euro am Tag in die Region umleiten. Bei 50 bis 60 Einzelhändlern und einem Warenkorb in Höhe von 50 bis 60 Euro, würden wir ungefähr eine Bestellung pro Einzelhändler pro Tag generieren. Das führt zu einer realistischen Annahme über das grobe Volumen, das der Einzelhändler erwarten kann.
Photo

Können Sie schon eine erste Resonanz ziehen?

Schulte: Anfang September 2016 sind wir dann mit der Plattform online gegangen. Nach nun 10 Wochen haben wir etwa 650 Bestellungen mit 38 Händlern erfolgreich abgewickelt. Wenn man auf andere vergleichbare Regionen schaut, ist das eine gute Leistung. Dort gab es nach einem Jahr noch nicht einmal 100 Bestellungen.

Die Reichweite ist noch überschaubar und muss natürlich noch ausgebaut werden. Aktuell haben wir 700 registrierte Nutzer, adressiert werden aber 150.000 potenzielle Kunden. Das ist auch gut so, denn das System wurde natürlich von null an programmiert. Dinge müssen korrigiert und verbessert werden. Mit den Kunden, die wir jetzt haben, können wir sehr genau schauen, wo es hakt und an welcher Stelle wir zeitnah agieren. Somit können wir unser System nachziehen und artikelspezifische Lieferverfügbarkeiten nach Tagen und sogar nach Zeitfenstern ausmachen.

Welche Vorteile hat denn nun der Nutzer?

Schulte: Wir liefern versandkostenfrei ab dem ersten Euro und das am gleichen Tag. Kunden erwarten das auch, da sie den Komfort bereits von amazon oder Zalando kennen. Die Lieferung wird, wie bereits erwähnt, über den prozentualen Anteil für die Warenlogistik vom Einzelhändler getragen. Die Ware, die der Kunde zum Ladenpreis bestellt, wird beim Anbieter abgeholt und nach Hause geliefert.

Same-Day-Delivery war für uns die erste und einzige Option, da wir auch Frisch- und Kühlware ausliefern. Wer bis 10 Uhr bestellt, bekommt die Ware zwischen 13 und 15 Uhr. Wer bis 15 Uhr bestellt, erhält die Ware zwischen 18 und 20 Uhr. Retouren können über den Händler vor Ort, aber auch über Lokaso abgewickelt werden. So nehmen wir beispielsweise auf Wunsch der Kunden Pfand oder auch Mehrwegverpackungen, wie von einer Kaffeerösterei, zurück.
Bild: Mann überreicht eine Kiste ; copyright: Lokaso GmbH

© Lokaso GmbH

An wen wenden sich die Kunden bei Fragen?

Schulte: Hierfür stehen dem Kunden unsere „guten Feen“ zur Verfügung. Mitarbeiter aus unserem Haus übernehmen die Fragen der Kunden und übermitteln diese an den Einzelhändler und zurück. Oder auch anders herum: Ist etwas nicht lieferbar, wird dies den guten Feen gemeldet und sie sprechen mit dem Kunden und bietet ihm eine Alternative an.

Mit der Bezahlung steht und fällt häufig die Entscheidung für solch eine Plattform. Für welche Bezahlmethode haben Sie sich entschieden?

Schulte: Endkunden und Einzelhändler haben sich hier die EC-Karte gewünscht. Daher haben wir die Fahrer mit entsprechenden Terminals ausgestattet und außerdem eine automatische Sicherheit für den Kunden eingebaut: Man bezahlt erst, wenn man die Ware in den Händen hält. Wir haben natürlich auch die Anfrage nach Kreditkarten und PayDirekt als Lösung der deutschen Banken und Sparkassen. Das werden wir hinzufügen, denn viele Kunden bestellen beispielsweise ins Büro oder lassen Bestellungen beim Nachbarn abgeben.

Warum bestellen Kunden auf Lokaso?

Schulte: Letztendlich gibt es verschiedene Motivationen, um auf Lokaso etwas zu bestellen. Die einen möchten einfach Zeit sparen. Andere sagen, sie erhalten die besseren Produkte, aber auch den besseren Service – vor Ort aber auch online. Dann gibt es Gründe wie Immobilität. Mit Lokaso bieten wir den Kunden die Möglichkeit, Produkte vor Ort anzuschauen und letztendlich online zu bestellen, um die Artikel nicht nach Hause tragen zu müssen.

Wer nutzt den Service in der Regel?

Schulte: Wir dachten anfänglich, dass wir mit dem Angebot die über 30-Jährigen ansprechen. Das ist aber gar nicht so. Selbst Studenten und ältere Menschen nutzen Lokaso.

Wie nehmen andere Regionen Lokaso wahr?

Schulte: Wir sind bereits in der Entwicklungsphase von anderen Regionen angesprochen worden, die Interesse an unserem System bekundeten. Das hat dazu geführt, dass wir das System direkt mandantenfähig gemacht haben, sodass wir es übertragen können. Interessierte Regionen können es dann über eine Betreibergesellschaft nutzen. Aktuell gibt es keine Region, die so weit ist wie Siegen, aber es finden bereits intensive Gespräche statt.

Wie wird es mit Lokaso Siegen weitergehen?

Schulte: Wir haben bereits über 30 weitere Verträge mit Einzelhändlern unterzeichnet, die bald auf der Webseite zu finden sein werden. Ein weiterer Bereich, den wir derzeit ausbauen, sind Dienstleistungen. Hier sprechen wir Kosmetikstudios, Immobilienmakler, Reisebüros oder Versicherungen an. Natürlich können wir auf Lokaso keine individuellen Dienstleistungen verkaufen, aber zumindest den Kontakt herstellen und Termine vereinbaren. Auch Wochenmärkte würden wir zukünftig gerne einbinden.
Autor: Melanie Günther; EuroCIS
Erstveröffentlichung auf www.iXtenso.com