Onlineshops und Sicherheit

01.02.2013

© panthermedia.net/Christos Georghiou

Wie sicher ist mobiles Einkaufen?

Smartphones und Tablets sind längst nicht pure Kommunikationsinstrumente: Moderne Geräte ersetzen heute nicht nur die Kamera und den MP3-Player. Internetfähige Mobilgeräte werden immer mehr zu Verkaufsberatern und Ladentheken und werden über kurz oder lang auch das Portemonnaie ersetzen. Mit den neuen Funktionen entstehen aber jedoch neue Risiken. Der Nutzer verliert nicht nur die Verfügungsgewalt über seine Daten, beim schnellen und einfachen mobilen Bezahlen kann es auch schwierig werden, den Überblick über die eigenen Ausgaben zu behalten.


Fast 50 Prozent aller verkauften Handys sind heute bereits Smartphones. Mit der immer größeren Ausbreitung der Geräte steigt auch die Nachfrage nach mobilen Datendiensten: Nach Informationen der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) nutzten 2011 bereits 2,9 Millionen Verbraucher in Deutschland die Möglichkeit zum mobilen Einkauf von Waren und Dienstleistungen. Mehr als fünf Millionen Menschen informierten sich vor dem Kauf einer Ware mithilfe einer Mobile-Shopping-App.
Der Nutzer erkennt dabei nur jedoch meist nur den positiven Aspekt: Er erhält schnell und unkompliziert passende Informationen – die nächste Bahnverbindung, den besten Preis oder interessante Testergebnisse zu Produkten und Geschäften. Dabei werden jedoch oft viel mehr Daten gesammelt, als für den Dienst erforderlich sind.

Unbemerkte Datensammlung

In den meisten Fällen ist den Nutzern nicht bewusst, welche Daten gespeichert und weitergegeben werden. „Viele Apps agieren am Rande der Legalität“, sagt auch vzbv-Vorstand Gerd Billen. „Die Begehrlichkeit ist groß, die beim Mobile Commerce anfallenden Daten zu missbrauchen. Um Missbrauch zu vermeiden, braucht Deutschland einen effektiven und selbstbestimmten Datenschutz.“ So müsse für den Nutzer erkennbar sein, welche Daten zu seiner Person und seinem Verhalten abgelegt sind.

Deutsche Verbraucher sind besonders vorsichtig

Gerade in Deutschland galt bis vor kurzem die Prämisse, dass mCommerce noch einige Zeit benötigen werde, um sich auf dem hiesigen Markt durchzusetzen. Das lag zum einen an den national besonders ausgeprägten Datenschutzbedenken. Andererseits aber auch an der noch fehlenden Marktdurchdringung der entsprechenden Geräte, nämlich die Smartphones und Tablets. Zwar sind auch Laptops und Notebooks tragbare Geräte, mit drahtlosem Internetzugang, aber für den mCommerce sind die aktuellen Tablets und Smartphones viel entscheidender. Denn auf Notebooks öffnet der Nutzer für Online-Einkäufe den Browser, und nicht eine für den mobilen Einsatz optimierte App.

Neue Geräte, neue Herausforderungen für Händler

Smartphones und Tablets unterscheiden sich allein schon durch ihre Größe und Bedienung von den „alten“ Geräten. Händler müssen daher darauf achten, nicht die Architektur ihrer eCommerce-Seite 1:1 auf das mobile Gerät zu übertragen, sondern ein, den neuen Anforderungen an Handling und Sicherheit der Seiten, Apps und Transaktionen angepasstes, neues Angebot zu entwickeln. Inzwischen hat der mCommerce in Deutschland einen deutlichen Aufwärtstrend erfahren – allein im Jahr 2011 hat sich Nutzerzahl der mobilen Angebote verdoppelt.

Kunden zweifeln an Transaktionssicherheit

Trotz der erfreulichen Entwicklung der Nutzerzahlen krankt der mCommerce in Deutschland immer noch an einem wichtigen Faktor: Dem Vertrauen in die mobilen Bezahlsysteme. Viele Nutzer schrecken davor zurück, ihre Kontodaten aus der Hand zu geben. Das ist jedoch nicht durch die inzwischen relativ gut ausgebaute technischen Infrastruktur bedingt, sondern kann eher als ein psychologisches Problem gesehen weden.

In der aktuellen Studie "Mobile Commerce in Deutschland" des ECC Handel geben 33,8 Prozent der Nutzer Bedenken zur Datensicherheit als Hauptgrund gegen den Kauf mit dem Smartphone an. Viele Konsumenten bevorzugen daher auch immer noch die klassische Zahlung per Rechnung. Denn bei dieser Zahlungsmethode müssen keine sensiblen Zahlungsinformationen im Online-Shop angegeben werden. Für den Online-Händler birgt die Zahlung per Rechnung aber immer das Risiko des Zahlungsausfalls. Shop-Betreiber sollten außerdem darauf achten, nicht nur ein Zahlungsverfahren anzubieten, denn 37,5 Prozent der Nutzer wechseln den Online-Shop, wenn ihr bevorzugtes Zahlungsverfahren nicht zur Verfügung steht.

Bevorzugte Zahlungsverfahren und Angst vor versteckten Kosten

Bei der aktuelle Nutzung spielen internetspezifische Zahlungsverfahren wie PayPal (mit inzwischen 16 Millionen Nutzern in Deutschland) eine sehr große Rolle – ungefähr zwei Drittel der Smartphone-Käufer haben sie bereits verwendet. Auf Platz zwei landet die Rechnung, gefolgt von Lastschrift und Kreditkarte. Am wenigsten beliebt bei den Befragten sind Vorkasse und Nachnahme. An dieser Rangfolge wird sich voraussichtlich auch in Zukunft wenig ändern – die aktuell beliebten Zahlungsverfahren werden weiter zulegen, während Vorkasse und Nachnahme nur ungefähr 15 Prozent derjenigen, die die Verfahren aktuell nicht nutzen, gerne verwenden würden.

Gleichzeitig haben 28 Prozent der Nutzer außerdem Angst vor versteckten Kosten. Zahlungsanbieter sollten daher auf ihre Erfahrungen im E-Commerce zurückgreifen und Maßnahmen ergreifen, die auch zur Etablierung von E-Payment notwendig waren. Für sie ergibt sich die Möglichkeit, durch intensive Aufklärungsarbeit und Transparenz die beiden aus Konsumentensicht wichtigsten Hinderungsgründe aus dem Weg zu schaffen. Händler, die auf einen bekannten Zahlungsanbieter setzen, dem Konsumenten vertrauen, können sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Kundenkommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Die Datenschutzbedenken der Nutzer sind also eher abstrakter Natur. Daher gibt es für den Handel nur einen Weg, die Nutzerzahlen im mCommerce weiter zu erhöhen: Eine umfassende Kommunikation der Sicherheitsmaßnahmen, mit denen die Transaktionen und sensiblen Daten geschützt werden. Denn gerade was den Punkt Sicherheit angeht, bietet der mCommerce im Vergleich zum eCommerce einen entscheidenden Vorteil, der allerdings nur wenigen Kunden bekannt ist. Durch SIM-Card, eigene ID und die Eingabe einer PIN erfolgt eine eindeutige Identifizierung, die Transaktionen und Datenübertragungen durch zusätzlich verschlüsselte Funkübertragungen vergleichsweise sicher macht. Erforderlich ist deshalb auch im mCommerce, dass dem Kunden bekannt ist, welche Informationen erfasst werden und welcher der beteiligten Akteure (Payment-Anbieter, Händler oder eine Bank), welche Daten, zu welchem Zweck, wann, wo und in welcher Weise bearbeitet. Wichtiger als die technischen Sicherheitsmaßnahmen ist also die umfassende Kommunikation mit dem Kunden, um Vertrauen zu gewinnen und die gefühlte Sicherheit zu erhöhen.

Daniel Stöter; EuroCIS.com