RFID in der Textilindustrie – Doch noch eine Erfolgsgeschichte?

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C&A weitet sein RFID-Pilotprojekt aktuell auf 25 Standorte aus.

Das Thema RFID wird für den gesamten Handel immer wichtiger – und das obwohl die Diskussion um den Einsatz der Technologie immer noch von Datenschutzbedenken dominiert wird. Besonders in der Textilindustrie aber ergeben sich gerade auf Händlerseite eine ganze Reihe von Vorteilen, die nicht von der Hand zu weisen sind. Aber es gibt auch eine ganze Reihe anderer moderner Sicherheitslösungen, von denen speziell der Textilhandel profitieren kann.

Neben dem kleinen Formfaktor der RFID-Etiketten und den relativ geringen Stückpreisen (gerade im Vergleich mit anderen EAS-Lösungen) ist eines der wichtigsten Argumente für die Nutzung der Technologie die Verbindung von Warenwirtschaft und Diebstahlschutz – in einer umfassend mit RFID-Lesern ausgestatteten Filiale weiß das Personal jederzeit, wieviele Kleidungsstücke noch in den Regalen liegen und kann so gegebenenfalls nachbestellen. Außerdem alarmieren RFID-Etiketten zuverlässig, wenn ein Produkt den Laden verlässt, ohne dass vorher die Sicherung deaktiviert wurde. Daher können mit der Technologie sowohl Rationalisierungspotentiale realisiert als auch Prozesse effizienter gestaltet werden.

Pilotprojekte werden verlängert

Zu den Big Playern der Modebranche, die auf RFID setzen, gehört inzwischen auch C&A. Zwar hat das Unternehmen die Technologie noch nicht flächendeckend in seinen Filialen ausgerollt, nach einem erfolgreichen Test an fünf Standorten soll das bestehende Pilotprojekt jetzt allerdings auf weitere 20 Filialen ausgeweitet werden. Dabei stehen für den Retailer nach eigener Angabe die Optimierung der Warenströme und die Datensicherheit im Vordergrund. „Mit der RFID Technologie können wir die Prozesse unserer Lieferkette weiter optimieren, im Interesse von Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen“, erläutert Thorsten Rolfes, Unternehmenssprecher von C&A. „RFID soll das Angebot in unseren Filialen noch weiter verbessern. Dabei geht es vor allem darum, dass unsere Kollektionen den Kunden auch wirklich in den nachgefragten Farben und Größen zur Verfügung stehen.“
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Der Chip selbst ist klein, doch ein etwa visitenkartengroßes Etikett macht darauf aufmerksam.

Einsatz mit Blick auf die Sicherheitsbedenken der Kunden und die Gesetzeslage

Die Kontroverse um den Einsatz von RFID ist allerdings auch an C&A nicht vorbeigegangen. Daher werden die Etiketten gut sichtbar an ausgesuchten Kleidungsstücken außen angebracht. Sie haben die Größe eines üblichen Preis-Etiketts und werden durch einen Plastik-String an der Ware befestigt. So können sie nach dem Kauf jederzeit problemlos vom Kunden entfernt werden.

„Auch wenn RFID mittlerweile immer weiter verbreitet ist, haben wir großes Verständnis dafür, wenn Kunden Fragen zu dem Projekt haben“ so Rolfes. Deshalb erläutern Plakate und Handzettel in allen beteiligten Filialen die neue Technologie. Zudem stehen die Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung. Selbstverständlich werden alle Gesetze, Standards und Empfehlungen, die zu RFID auf deutscher und europäischer Ebene erlassen wurden, eingehaltenbetont Rolfes.

Kunden können sicher sein, dass ihre Daten nicht missbraucht werden

Der Schutz vor missbräuchlicher Speicherung von RFID Daten durch Dritte wird bei C&A dadurch gewährleistet, dass die Kunden die RFID-Etiketten nach dem Kauf einfach entfernen können. „Derzeit prüfen wir verschiedene technische Lösungen, die eine Speicherung von Kundendaten im Zusammenhang mit RFID ausschließen“, so Rolfes. „Zu einer flächendeckenden RFID-Einführung in deutschen C&A-Filialen wird es erst dann kommen, wenn wir die Ansprüche der Konsumenten an eine absolute RFID-Datensicherheit gewährleisten können.“

Immer mehr Kunden lassen sich also von einem offenen, ehrlichen Umgang mit den möglichen Gefahren von den Vorteilen der Technologie überzeugen. Deshalb hält RFID jetzt immer stärker in der Praxis Einzug.

Technologische Entwicklung treibt den Einsatz voran

Eine wachsende Bedeutung von RFID zeigt sich zwar generell eher bei hochpreisiger Ware. Denn es ergeben sich immer vielfältigere Nutzungsmöglichkeiten, da auch die RFID-Technologie ständig verbessert und erweitert wird. So lassen sich zum Beispiel mit RFID mittlerweile auch Artikel in dicht gepackten Kartons zuverlässig identifizieren. Bisher sind es zwar eher große Unternehmen wie Gerry Weber, C&A, Adler oder GAP, deren Pläne zur RFID-Nutzung im öffentlichen Interesse stehen. Aufgrund der möglichen Kostenersparnis zeigen jedoch auch Mittelständler immer mehr Interesse an der Technologie.
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Auf der EuroCIS 2013 zeigte Axis umfassende Sicherheitslösungen für den Textilhandel.

Integration mit anderen Technologien bringt umfassende Sicherheit

Zwar bietet RFID schon viele Vorteile, jedoch zeigt sich das gesamte Potential erst in Kombination mit anderen modernen Lösungen. Zusammen können diese Technologien die Warensicherheit erhöhen und auch das gesamte Storemanagement verbessern. Eine solche Lösung hat zum Beispiel Axis Communications auf der EuroCIS 2013 gezeigt. Um die Vorteile zu verdeutlichen, wurde der Messestand wie ein Modegeschäft konzipiert. Die Kernkomponenten des Systems sind Videoüberwachung, Videoanalyse und RFID.

Kundenverhalten immer im Blick

Bereits beim Betreten des Ladens beginnt dabei die Analyse des Kundenverhaltens anhand der Videoüberwachungsbilder. Durch die Auswertung der Kundenströme erhält der Retailer unter anderem Informationen zur Verweildauer in den einzelnen Bereichen und kann eine exakte Erfolgsmessung von Sonderaktionen vornehmen. Außerdem ist es mit den richtigen Analyse-Algorithmen auch möglich, verdächtiges Verhalten möglicher Diebe frühzeitig zu erkennen.

Video und RFID arbeiten bei der Warensicherung zusammen

Ihre ganze Stärke zeigteine solche Lösung bei der Warensicherung: Wird ein Produkt mit einem RFID-Tag ohne vorherige Deaktivierung an den am Ausgang positionierten RFID-Lesern vorbei getragen, ertönt sofort und zuverlässig ein Alarm. Erst nachdem der Code an der Kasse deaktiviert wurde, kann der Kunde das Geschäft problemlos verlassen. Mit einer entsprechenden Videomanagement-Software können Einzelhändler auch im Nachhinein solche Vorgänge untersuchen und mit Hilfe des Archivmaterials Rückschlüsse auf die Ursache des Alarms ziehen. Hier wird im Idealfall auch deutlich, ob es sich tatsächlich um vorsätzlichen Diebstahl handelt, oder bloß ein Versehen oder Fehler des Kassenpersonals schuld am Alarm ist.

Daniel Stöter,EuroCIS.com

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