Supply-Chain-Management für Spezialitäten-Supermarkt Booths

Der Einsatz einer neuen Supply-Chain-Management-Software hat den Verderb insgesamt um zehn Prozent reduziert, bei Kühlwaren sogar um 20 Prozent. Darüber hinaus festigte Booths dank des SCM-Systems seine Position in den Top 3 der britischen Supermärkte mit der höchsten Verfügbarkeit.

01/08/2016

Käse aus Lancashire, Rum Nicky aus Cumberland oder geräucherter Hering von der Isle of Man – die nordwestenglische Supermarktkette Booths ist für solche lokalen Spezialitäten bekannt. Das mittelständische Familienunternehmen mit 30 Filialen arbeitet vorzugsweise mit kleinen Höfen und regionalen Manufakturen zusammen.
Bild: Supermarkt Booth; copyright: Relex

Frische regionale Spezialitäten: Booths arbeitet vorzugsweise mit kleinen Höfen und Manufakturen zusammen und kann sich so von den großen Supermarktketten abheben © Relex

Um erntefrische Kartoffeln an Booths liefern zu können, stehen die Farmer mitten in der Nacht auf. Denn die feinschalige Sorte "Maris Bard" muss in den frühen Morgenstunden geerntet werden, soll sie am selben Tag noch in den Filialen der Supermarktkette mit Hauptsitz in Preston erhältlich sein. Ein Frischeanspruch, der nicht nur dem Schlafrhythmus des Farmers, sondern auch dem Supply-Chain-Management von Booths einiges abverlangt. 

"Der Farmer erhält die Bestellung um 5:30 Uhr per E-Mail. Anschließend erntet er, liefert uns die Kartoffeln und wir bieten sie nachmittags in unseren Filialen an", berichtet Andrew Rafferty, Leiter IT und E-Commerce bei Booths. Um sich von den großen Konkurrenzketten abzuheben, setzt das Unternehmen, das sich seit seiner Gründung im Jahre 1847 in Familienbesitz befindet, auf regionale, saisonale und besonders frische Produkte.

Dafür kooperiert Booths mit lokalen Zulieferern und Herstellern. Immer die richtigen Mengen dieser schnellverderblichen Lebensmittel für die optimale Warenpräsentation und Verfügbarkeit in den Filialen zu haben, hat Booths bislang vor große Herausforderungen gestellt. Dem mittelständischen Unternehmen fiel es schwer, tägliche Lieferungen auszuhandeln. Hinzu kamen Schwierigkeiten mit dem Kampagnenmanagement. Nicht zuletzt sollte die Allokation von den drei Distributionszentren zu den 30 Filialen mit ihren unterschiedlichen Sortimenten optimiert werden. Um den eigenen Anspruch an stets (ernte)frische Qualitätsprodukte erfüllen zu können, machte sich Booths auf die Suche nach einer passenden SCM-Software.

Flexible Lösung gesucht

Bei der Anbieterauswahl war vor allem die Flexibilität der Software ausschlaggebend. Der finnische Anbieter RELEX Solutions stellt sein System als SaaS-Lösung (Software as a Service) zur Verfügung. So musste Booths weder eine Hardware noch eine Kauflizenz erwerben, sondern lediglich in die Systemnutzung und den Service investieren. Der monatliche SaaS-Fixpreis garantiert die volle Systemleistung, regelmäßige Upgrades und den Kundensupport. Eine vertragliche Verpflichtung zur Weiterführung nach der Pilotphase bestand indes nicht. Zudem kann die Software einfach an alle marktüblichen ERP-Systeme angeschlossen werden.

Da Booths die Verderbsreduzierung besonders wichtig war, wurde das System zunächst im Kühlwarenbereich getestet. Die SCM-Software zeigte hier bereits nach kurzer Zeit Erfolge, sodass sich Booths entschied, das Projekt auf die Bereiche TK und Frischwaren auszuweiten. Insgesamt konnte der Verderb binnen sechs Monaten um zehn Prozent, im Kühlwarenbereich sogar um 20 Prozent gesenkt werden. Die Verfügbarkeit wurde mithilfe der Lösung deutlich erhöht. Das britische Handelsmagazin „The Grocer“ hat Booths wiederholt in die Top 3 der britischen Supermärkte gewählt.

Roll-out nach nur vier Monaten

Bereits vier Monate nach der Implementierung erfolgte der komplette, filialübergreifende Roll-out. Die Software vereinfachte zudem die Prozesse des Supply-Chain-Managements. So auch die des Beschaffungsmanagements der Frischwaren. „Die größte Herausforderung für unseren Frischebereich waren die Bestelldeadlines in den frühen Morgenstunden“, so Rafferty. Damit die eingangs erwähnte regionale Kartoffelsorte nachmittags in den Booths-Märkten verfügbar ist, muss die Bestellung bis spätestens 5:30 Uhr beim Farmer eingehen. Hier kommen die Vorteile der Software zum Tragen. Erstens laufen die Bestellprozesse automatisiert ab. Zweitens sind die Bedarfsprognosen wesentlich genauer als Schätzwerte, denn das System errechnet den Bedarf auf Basis von historischen Absatzmustern auf Filialebene, Wetterprofilen, saisonalen Faktoren und Haltbarkeitsdaten.
Bild: Hand hält erntefrische Kartoffeln; copyright: Barbara Eckholdt

Um möglichst frische Ware anbieten zu können, ist eine gute logistische Organisation nötig © Barbara Eckholdt

Selbstentwickelte Big-Data-Datenbank

Die Datenmengen werden in einer Big-Data-Datenbank hinterlegt, auf die die Software zugreift und auf deren Basis sie in Echtzeit präzise Nachfrageprognosen erstellt. Ermöglicht wird die Echtzeitauswertung durch die selbstentwickelte spaltenorientierte Datenbank. Das Spaltenlayout sorgt für eine extreme Komprimierung der Masse von Datensätzen. Daher kann die Datenbank In-Memory, also im Arbeitsspeicher, betrieben werden. Große Datenmengen werden auf diese Weise über 100-mal schneller verarbeitet als mit herkömmlichen Systemen – eine Leistungssteigerung, die tagesgenaue Prognosen und Bestellvorschläge auf Produkt-Standort-Ebene ermöglicht. Das System stellt Nachfrageveränderungen zeitnah fest und vermeidet so unnötige Bestellungen, Restbestände und Verderb.

Gestaltete das unberechenbare Wetter Nordwestenglands die Bedarfsprognostizierung bislang sehr schwierig, so ermöglicht es die neue Lösung nun, schneller und spontan auf Wetterwechsel zu reagieren. Dafür sammelt die Software wetterabhängige Verkaufsdaten und erstellt auf deren Basis verschiedene Profile. So werden beispielsweise filialbasierte Absatzdaten aus einer Hitzeperiode ausgewertet und das daraus abgeleitete Profil kann bei einem plötzlichen Wetterhoch als Muster für den filialspezifischen Bedarf und die Distribution angewendet werden.

"Wir sind nun viel besser in der Lage, den Bedarf auf SKU-Level zu prognostizieren", sagt Rafferty. Auch das Kampagnenmanagement von Booths konnte dank der  neuen Lösung verbessert werden. Warenauslage und Kampagnenpräsentationen sind im Lebensmittelhandel wichtige Verkaufsförderer – 20 bis 35 Prozent des Verkaufs werden durch Verkaufsaktionen und Produktkampagnen generiert. Auch hier hat die RELEX-Lösung Booths nachhaltig unterstützt. Die Software wertet Daten unterschiedlicher Produktkampagnen aus, identifiziert Parallelen und berechnet Prognosen für Kampagnen zu ähnlichen Produkten – eine große Arbeitserleichterung beispielsweise bei Produkteinführungen.
Ein Anwenderbericht der RELEX Solutions GmbH;
Erstveröffentlichung auf www.iXtenso.com