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Warensicherung: „Wir brauchen dringend ein Umdenken bei den Ladenbauern“

Warensicherung: „Wir brauchen dringend ein Umdenken bei den Ladenbauern“


Quelle:höltl EuroCIS-Interview mit Johannes Schick, Geschäftsführer von höltl Retail Solutions

höltl ist Spezialist für Kassensoftware und Warenwirtschaft. Was hat die Software-Firma mit Diebstahlsicherung und RFID zu tun? Die Frage beantwortet Geschäftsführer Johannes Schick im Interview. Seiner Ansicht nach steht die Technologie zur kontaktlosen Identifikation von Einzelartikeln unmittelbar vor der Umsetzung im Handel. Noch allerdings versehen nur wenige Hersteller ihre Ware mit den Funktags. Doch, so Schick, die Investition lohnt sich für den Handel schon jetzt, denn RFID helfe nicht nur den Logistikern. Der Handel profitiere von RFID sogar noch stärker – von der Warenannahme bis zur Kasse und auch beim Schutz gegen Diebstahl.


Warum ist höltl bei RFID dabei? Und was bringt das dem Handel zum Beispiel bei der Diebstahlsicherung?

Wir betrachten das Kassenumfeld ganzheitlich. Daher ist RFID auch unser Thema. Bei der Tagung von GS1 Germany am 3. Dezember 2009 hatte Gerry Weber sein neues RFID-Konzept vorgestellt. Daraufhin haben wir bereits auf der EuroCIS 2010 einen laufenden Prototypen zeigen können. Kasse und Warenwirtschaft wurden RFID-fähig. Das Ganze startet mit dem Wareneingang. Dort wird dann bereits der EPC hinterlegt. Hat der Artikel noch keinen RFID-Tag, kann selbst ausgezeichnet werden. Diese Spezial-Etikettendrucker können drucken und gleichzeitig den RFID-Tag programmieren. Ist der Artikel dann auf der Fläche, wird er sofort „scharf-geschaltet“. Softwaremäßig wird der Artikel erst entschärft, wenn er an der Kasse verkauft wird. Der Kunde kann nun den Laden unbehelligt verlassen. Verlässt der Kunde mit unbezahlter Ware den Laden, wird sofort ein Alarm ausgelöst.

Wie weit ist der Elektronische Produktcode EPC verbreitet?

Der EPC ist noch gar nicht verbreitet. Es gibt einzelne Lieferanten, die das forcieren. Da ist Gerry Weber dabei oder Seidensticker, s.Oliver und auch Lemmi Fashion-Vertrieb.Das sind natürlich noch viel zu wenig. Der EPC beginnt erst, in die Köpfe der Hersteller hinein zu wachsen. Mit dem EPC wird jeder Artikel weltweit einzigartig.


Für welche Handelsbranchen lohnt sich RFID besonders?

Momentan ist die Textil-Branche der Technologie-Treiber – die Großkonfektionisten, aber auch Hersteller von Strümpfen und Wäsche haben Interesse. Auch andere Branchen wie zum Beispiel die Baumärkte – zum Beispiel die BayWa – zeigen sich hochgradig daran interessiert, um ihre Märkte und Garten-Center effizienter führen zu können. Mehr kann ich aber dazu jetzt noch nicht sagen. RFID entfaltet hier seinen primären Nutzen in der Logistik und in der Bestandsführung. Inventuren werden mit RFID viel leichter, jedenfalls bei den Produkten, an denen man ein RFID-Etikett oder Tag anbringen kann. Bei Nägeln oder Schmuck ist das noch sehr schwierig. Aber auch die Schuhbranche ist interessiert. Der Tag im Absatz ist eine Möglichkeit. Allerdings muss das Problem der Metalle im Schuh noch gelöst werden. Diese beeinträchtigen den Scan-Vorgang. Wir haben mit dem Modehaus Hagemeyer in Minden und Umgebung ein PROZEUS-Projekt, wo Hagemeyer als Logistik-Dienstleister für einen Mieter selbst auszeichnet. Hier ist der Mehrwert allein durch die Warensicherung erreicht. (www.prozeus.de)


Wie weit ist der Handel in Sachen RFID in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?

Deutschland ist in Europa führend. Es fängt bei den hochpreisigen Artikeln an, weil sich hier der Tag eher rechnet. Das ist wie damals in den Achtzigern, als der Strichcode kam. Damals lautete der Einwand, dass die Kunden von Luxusartikeln keine Strichcodes sehen sollten. Wir sind genauso zuversichtlich, dass RFID in den nächsten drei bis fünf Jahren kommen wird. Wir sind Wellentreter und keine Wellenreiter – insofern müssen wir der Entwicklung voraus sein. höltl ist immer gut ein Jahr vor dem Wettbewerb.


Ihr Motto auf der letzten EuroCIS war „Total-RFID“. Wie ging es weiter?

RFID wird uns auch noch die nächsten Jahre beschäftigen. Das diesjährige Motto lautet „Smarter Retail“ – alles, was das Leben im Handel leichter macht. Dazu gehört natürlich RFID, dazu gehört aber auch die Kasse in der Cloud, die wir letztes Jahr als Prototyp vorgestellt haben. Jetzt ist ein konkretes Anwender-Projekt daraus geworden, wir dürfen den Namen allerdings noch nicht nennen. Ganz wichtig werden in diesem Jahr für uns Apps auf dem Handy sein. Wir glauben, dass PDAs in der Filiale damit bald ausgemustert werden, weil Handys einfach universeller genutzt werden können. Wir starten mit einer App für den Warenverantwortlichen. Dieser fotografiert den Strichcode, hat über Business Intelligence sofort alle Abverkaufsdaten und Vergleichsprodukte zur Hand und kann über die App auch den Preis ändern oder umlagern. Das System denkt mit – eben „Smarter Retail“.


Smartphone und PDA, Drucker und RFID – die Hardware machen Sie nicht selbst. Wie steht es mit der Normung?

Standards auf der Hardware gibt es leider noch gar nicht. Die wollen wir für unsere Produkte und damit für unsere Kunden schaffen. Genau das ist der Mehrwert. Leider ist Forschung immer teurer als Nachmachen. Und Nachahmer gibt es einige am Markt. Solange es die aber gibt, wissen wir dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 
 

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