„Keine tragfähige Alternative zu Standardsoftware“
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„Keine tragfähige Alternative zu Standardsoftware“
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Interview mit Stefan Gruler, globaler Leiter für Retail bei SAP
Lunar bei Edeka ist Europas größtes IT-Projekt im Handel. Wer auf Standardsoftware umstellt, greift tief ein in gewachsene Strukturen des Unternehmens. Längst nicht alle Umstellungen wurden ein Erfolg. Welche Anstrengungen lohnen sich? Was muss sich ändern in der Logistik und Filialsteuerung? Was bringen mobile Anwendungen und Cloud Computing? Diese und viele andere Fragen beantwortet Stefan Gruler von SAP – nicht nur für die Großen, sondern auch für den Mittelstand im Handel.
Standardsoftware passt selten für alle, aber sind alle Händler wirklich so unterschiedlich?
Die Mehrzahl der Handelsprozesse unterscheidet sich nicht gravierend von Unternehmen zu Unternehmen. Ebenfalls gilt für alle Handelsunternehmen gleichermaßen, dass sie auf neue Technologien und die damit einhergehenden Veränderungen des Konsumentenverhaltens adäquat reagieren müssen. Wir sind überzeugt, dass es in Zeiten beständiger Veränderung keine tragfähige Alternative zu Standardsoftware gibt.
Nichtsdestotrotz wollen sich alle Händler bei sehr spezifischen und für sie kritischen Geschäftsabläufen von ihren Wettbewerbern abheben, etwa bei der Ansprache ihrer Kunden über die verschiedenen Verkaufskanäle oder der Preisgestaltung. Andere Geschäftsprozesse wie die Sortimentsplanung unterscheiden sich bei Handelsunternehmen traditionell stark voneinander.
Insofern muss Standardsoftware zweierlei leisten: Sie muss es den Kunden ermöglichen, dort zu standardisieren, wo möglich, um Kosten zu reduzieren und da zu differenzieren, wo nötig – nämlich in den Bereichen, wo Händler für ihr Unternehmen Alleinstellungsmerkmale sehen. Deswegen ist unsere Software durchgehend modular aufgebaut mit einer Vielzahl wiederverwendbarer Services, so dass sich unsere Software in hohem Maße anpassen und erweitern lässt.
Wollen Ihre Handelskunden zu viel Anpassung? Wird die Software damit immer komplexer?
Es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass IT-Modernisierungsprojekte, wenn sie den Kern der Geschäftstätigkeit eines Handelsunternehmens samt seiner Lieferanten berühren – beispielsweise eine Umstellung von jahrzehntelang gewachsenen Eigenentwicklungen auf Standardsoftware – Anstrengungen von allen Beteiligten erfordert. Das Unternehmen ist gefordert, seine Mitarbeiter und auch der Softwarelieferant. Um die Aufwände so gering wie möglich zu halten, versuchen wir zum Einen, schon bei der Entwicklung beziehungsweise Weiterentwicklung unseres Portfolios so viele Prozessvarianten wie möglich in den Standard einfließen zu lassen. Hier hilft uns der ständige und intensive Austausch mit unseren Kunden. Bei der Implementierung wiederum versuchen wir, der Komplexität durch geeignete Vorkonfiguration und sogenannte Best Practices entgegenzuwirken. Hierzu hat SAP speziell im letzten Jahr die „Rapid Deployment“-Lösungen auf den Markt gebracht. Dies sind vordefinierte, vom Umfang her überschaubare Lösungspakete, die zu einem Festpreis in kurzer Zeit eingeführt werden können. Wir reden hier über wenige Wochen bis Monate. In diesen Bereich hat die SAP in den vergangen Jahren stark investiert und wird es auch weiterhin tun.
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Lunar bei Edeka zeigt, wie langwierig ein IT-Projekt sein kann. Was kann man aus diesem Beispiel lernen?
Die Erfahrungen, die alle Beteiligten aus dem Projekt ziehen, sind von unschätzbarem Wert. Das Lunar-Programm ist eines der umfangreichsten und ehrgeizigsten IT-Modernisierungsprojekte im europäischen Handel. Im Rahmen von Lunar führt Edeka nicht nur ein neues Warenwirtschaftssystem ein, das die Zentrale in Hamburg mit allen Großhändlern und den rund 4.500 selbstständigen Kaufleuten verbindet. Auch für die Logistik-Steuerung werden wir neue Software-Lösungen einführen. Zudem bringen wir die gemeinsam mit GK Software entwickelten Filiallösungen in die mehr als 11.000 Edeka-Supermärkte.
Angesichts solcher Dimensionen ist die Projektlaufzeit eher knapp bemessen. Immerhin reden wir hier insgesamt über rund 160 Einzelprojekte. Umso wichtiger ist es, dass alle Parteien extrem professionell aufgestellt sind. Edeka beispielsweise hat für das Projekt eigens die Lunar GmbH gegründet, in der mittlerweile rund 400 Mitarbeiter Vollzeit an dem Projekt mit uns zusammenarbeiten. Diese Kompetenz auf Kundenseite und der beständige und intensive Dialog aller Partner auf allen Ebenen sind die wohl wesentlichsten Erfolgsfaktoren für ein Projekt dieser Größenordnung.
Welche Projekt-Bilanz zieht SAP bei Lunar?
Erst vor kurzem haben wir mit der erfolgreichen Einführung der Filiallösungen in den ersten Edeka-Märkten einen weiteren wichtigen Meilenstein genommen. Allein seit Ende 2009 sind rund 40 Einzelprojekte erfolgreich umgesetzt worden. Insgesamt betrachtet sind wir also auf bestem Wege, die gemeinsam mit Edeka gesteckten Ziele frist- und kostengerecht zu erreichen.









