"Das Bedrohungspotential ist unverändert hoch."

14/11/2011
Vorbeugung lohnt sich

Der Handel in Deutschland gibt über eine Milliarde Euro pro Jahr im Kampf gegen den Ladendiebstahl aus. Dennoch werden Waren im Wert von über vier Milliarden gestohlen. Ist das Geld falsch investiert?

Ganz sicher nicht. Im Vergleich der letzten Jahre beobachten wir insgesamt einen leichten Rückgang der Inventurdifferenzen im gesamten deutschen Einzelhandel. Dieser Trend stellt aber keinen Grund dar, Investitionen in Präventiv- und Sicherheitsmaßnahmen zu vernachlässigen. Das Bedrohungspotenzial durch Kundendiebstahl und Mitarbeiterdelikte ist unverändert hoch – eine Aussage, die vor allem die Einschätzungen der Handelsunternehmen zur Kriminalitätsentwicklung belegen. Es ist daher notwendig – natürlich unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und der Persönlichkeitsrechte von Kunden und Mitarbeitern – Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen sinnvoll und gezielt einzusetzen.

Gibt es Unterschiede zwischen großen Filialisten und kleinen Fachhändlern?

Das Problem ist grundsätzlich gleich: Sinkende Gewinne durch internen und externen Schwund. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich die Art des Diebstahls unterscheidet. So erfahren wir in den Gesprächen mit Kunden, dass bei kleineren Fachhändlern Gelegenheitsdiebstähle durch den Kunden und bei Filialisten häufiger Mitarbeiterdelikte oder organisierte Bandendiebstähle das Hauptproblem darstellen.

Diebstahlsicherung ist eine komplexe Aufgabe. Welches sind die kritischen Punkte?

Im Vordergrund steht für den Händler immer der Verkauf; das Sicherheitssystem darf das Tagesgeschäft nicht stören. Weitere wichtige Punkte sind gesetzliche Richtlinien – zum Beispiel die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen. Außerdem sollte die Investition in einem positiven Verhältnis zur Inventurdifferenz stehen. Es geht also darum, wie die einmal installierten Systeme angewendet werden – präventiv oder zur Nachverfolgung. Wie kann die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter in Sachen Warensicherung geschärft und aufrechterhalten werden?

Sie haben auf der EuroCIS den „Gold-Service“ vorgestellt, ein Outsourcing-Angebot für die Laden-Sicherheit. Wie waren die Reaktionen der Besucher?

Die Reaktionen waren durchweg sehr positiv, was auch im Nachhinein zu sehr guten Gesprächen bei den Händlern mit konkreten Projekthintergründen führte. Kritisch wird die Datensicherheit hinterfragt, aber auch hier kann ADT auf die Einhaltung der geforderten Standards verweisen.

Wen wollen Sie mit dem Angebot ansprechen?

Wir sprechen mit dem Gold-Service jeden Filialisten an, der heute bereits Video-Überwachung einsetzt und Bereiche wie Live-Überwachung, Nachverfolgung oder Beweissicherung aktiver angewendet wissen will. Unser Outsourcing-Angebot richtet sich außerdem an alle Händler, die weniger Investition in Hardware tätigen oder die gesamte Dienstleistung auslagern wollen.

Quellensicherung mittels RFID könnte ein Meilenstein sein. Aber ist der finanzielle und technische Aufwand nicht viel zu hoch?

Aktuell und über alle Branchen gesehen, sicher ja. Grundsätzlich bringt eine Quellensicherung mittels RFID auch bei günstigeren Investments in der Zukunft eher Nachteile, verglichen mit der Quellensicherung mittels unserer patentierten „Ultra Max“- Technologie. Wenn Einzelhändler mit der geringen Manipulationssicherheit bei RFID als Warensicherung einverstanden sind, mag dies auch ein gangbarer Weg sein. RFID zur Verbesserung der Logistik- und Verkaufsprozesse in Kombination mit der Warensicherung wird zukünftig interessanter. So sehen schon heute einige vertikale Textilhändler einen positiven Return on Investment.

Technische Aufrüstung kostet viel Geld. Wäre es nicht besser, ins eigene Personal zu investieren, zum Beispiel in Schulungen gegen die Tricks der Diebe?

Das eine schließt das andere immer mit ein. ADT bietet neben den technischen Lösungen natürlich auch Schulungen zur Diebstahlsvermeidung an. Zusammen mit dem Einzelhandelsverband Baden-Württemberg führen wir bereits derartige Schulungen durch. Darüber hinaus haben wir eine unterstützende Broschüre für den Händler und seine Mitarbeiter entwickelt. Es ist immer abhängig von einer darstellbaren ROI-Kalkulation, egal ob beim Einsatz von Technik, weiterem Personal oder messbaren Trainingserfolgen.

Wie schützt man sich vor unehrlichen Mitarbeitern?

Am besten nur ehrliche Mitarbeiter einstellen. Nein, Spaß beiseite. Laut der Studie „Inventurdifferenzen 2009“ vom EHI entfallen rund 900 Millionen Euro Verluste auf eigene Mitarbeiter. Alle Technologien helfen auch, den Mitarbeiterdiebstahl zu verhindern. Zusätzlich bietet ADT unter anderem Software-basierende Lösungen zur Kassenüberwachung an. Am wichtigsten jedoch sind die regelmäßige Ausbildung und das aktive Einbinden der Mitarbeiter in die Maßnahmen zur Vermeidung von Inventurdifferenzen. Das ist auch eine sehr wichtige Möglichkeit für Händler, Investitionen abzusichern.

Das Interview führte René Schellbach
iXtenso.com

Anmerkung d. Redaktion: Inzwischen ist Marco Lange nicht mehr bei der ADT Sensormatic GmbH tätig.