Wägetechnik und Food-Service

01/08/2012

Die Waagen kommen langsam wieder zurück in die Obst- und Gemüseabteilung. Damit wird das Scannen an der Kasse beschleunigt. Möglich machen dies neue Waagen mit Touch-Bildschirm und Video-Erkennung. Die Kunden müssen nicht mehr wie früher die Nummer vom Preisschild eintippen oder aus mehreren Dutzend Tasten auswählen.

Die Verbraucher hatten sich in vielen Supermärkten daran gewöhnt: Kopfsalat, Äpfel oder Birnen in die Tüte stecken, wiegen und das Etikett auf die Tüte kleben. Nach und nach haben viele Handelsunternehmen das Verfahren aber wieder abgeschafft. Einige Waagen blieben stehen – als „Kontrollwaage“ für die Kundschaft.

Altes Verfahren hatte Nachteile

Es hatte sich gezeigt, dass das Verfahren Nachteile hatte: An den Waagen gab es eine Zifferntastatur oder die Käufer mussten aus mehr als zwei Dutzend Tasten mit Bildsymbolen und Nummern ihr Produkt wählen. Die Kunden vergaßen die am Preisschild angegebene Nummer aber mitunter auf dem Weg zur Waage und erhielten ein fehlerhaftes Etikett. Das konnte an der Kasse nicht immer korrigiert werden. Die Folge: Ärger über längere Wartezeiten.

Der Handel stellte außerdem fest, dass manche Kunden die Preisauszeichnung zu ihren Gunsten nutzen. Aus Premium-Äpfeln wurden Sonderangebots-Äpfel. Nicht immer fiel die Mogelei an der Kasse auf. Warenbestand und Kassenabrechnung stimmten nicht mehr überein. Oder der „Irrtum“ wurde entdeckt und der Beutel musste in der Obst- und Gemüse-Abteilung mit einem neuen Etikett versehen werden.

Interview mit Volker Busse, Creative Design Division, DIGI Deutschland

In Japan ist manches anders als in Deutschland. Japanische Hersteller müssen sich den hiesigen Gewohnheiten anpassen. Andererseits erweitert Japan auch den Horizont, wenn es um Produktentwicklung geht. Diese Erfahrung machte der Designer Volker Busse von DIGI Deutschland, der zweieinhalb Jahre beim Mutterkonzern in Tokio Erfahrungen sammelte und 2009 zurück kam. DIGI stellt Waagen und Verpackungsmaschinen für Handel und Lebensmittel-Industrie her.

Kommen die Waagen im deutschen LEH jetzt wieder zurück in die Obst- und Gemüseabteilung?


Die Waagen waren nie ganz verschwunden aus der Obst- und Gemüseabteilung. Es ist immer eine Sache des einzelnen Marktes und dessen Aufteilung sowie Strategie, welche Waagen wo benutzt werden. Den vielen Ansprüchen des Marktes gerecht zu werden, ist und bleibt eine spannende Aufgabe, die geprägt ist vom aufmerksamen Zuhören der Kunden- und Endkunden-Äußerungen.

Wie ehrlich sind die Kunden beim Wiegen? Wie kann der Handel kontrollieren?

Ich kenne keine genauen Zahlen, die aber bestimmt von Markt zu Markt variieren. Sicherlich ist es besser, das Wiegen selber so zu gestalten, dass zum einen die Fehler beim Abwiegen minimiert werden, zum anderen die betrügerischen Möglichkeiten einzugrenzen. Letztlich möchte man einen kundenorientierten Service anbieten, der den Wiegevorgang schnell und unkompliziert löst. Im Endeffekt muss der Markt selber abwägen, was ihm wichtiger ist – die Zeit an der Kasse zu verringern, oder eventuelle Verluste durch das Kundenwiegen einzukalkulieren.

Vor Jahren hieß es, mit Videos auf Kundendisplays lässt sich an der Theke mehr verkaufen. Gibt es dazu jetzt Zahlen aus dem Alltag?

Nach dem Reiz des Neuen, also im Laufe der Jahre nach der Installation im Laden kann man frei nach Henry Ford zitieren und behaupten, dass es bei seiner Hypothese bleibt: Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso gut die Uhr anhalten, um Zeit zu sparen. Es ist allerdings nicht zu leugnen, dass man einen zusätzlichen Informationskanal hat. Ob und wieweit er angenommen wird, hängt nicht nur vom Kundentypus ab, auch von seiner Tagesverfassung, ob er beispielsweise Zeit dafür hat oder die angebotenen Reize seinen Kaufzielen entsprechen. Ein Problem sehe ich allerdings, wenn der Verkäufer selber hinter dem großen Display nicht mehr zu erkennen ist. Nicht zu unterschätzen ist und bleibt der persönliche Kontakt mit einem freundlichen Verkäufer. DIGI hat mit dem auf dem Markt einzigartigen Elexy-Display eine transparente Anzeige geschaffen, die beides ermöglicht.

Lohnt sich die kabellose Anbindung an das Filialsystem? Gibt es dabei technische Grenzen?

Wichtig ist die Sichtverbindung Sender/Empfänger, die Reichweite, die Sicherheit und Schnelligkeit der Datenübermittlung. Dank Wireless-Verbindungen lassen sich auch gezielt und schnell Preis- und Produktinformationen austauschen mit InfoCards oder Elektronischen Regaletiketten. Ich denke, der nächste große Schritt zu einem besseren und effizienteren Workflow im Markt kann mit diesen Hilfsmitteln geschaffen werden.

Verkauft DIGI in Japan die gleichen Waagen wie in Deutschland? Was ist anders in den dortigen Obst- und Gemüseabteilungen?

Selbst im europäischen Umland werden andere Waagen verkauft als in Deutschland, je nach Kultur, Ess- und Kaufgewohnheiten. In südlichen Ländern beispielsweise wird mehr Fisch verkauft und in Folge der leichteren Reinigung werden die Waagen von der Decke gehängt angebracht. In Japan wird dagegen das Obst und Gemüse meist einzeln abgepackt und vorgewogen. So ist sichergestellt, dass die Ware unberührt bleibt. Da in Japan wenig Platz herrscht, sind auch die Verkaufsräume effizient gestaltet, so dass die Waagen oben auf der Theke stehen und somit hauptsächlich flache Versionen verkauft werden.

Interview mit Peter Prante, Geschäftsführer mirontell fein & frisch AG, Teltow

20 Jahre lang war Peter Prante Küchenchef in Berlin, zuletzt im Hotel Kempinski, das auch das ICC und Großveranstaltungen versorgte. Mit dieser Management-Aufgabe wurde ihm klar, dass es viel zu teuer ist, Obstsalate und Obstplatten selber zu machen. Er gründete 2004 die Firma mirontell als Outsourcing-Partner für Großverbraucher und Einzelhändler. Prante begann mit 40 Kilo Obst am Tag und verarbeitet heute bis zu 12,5 Tonnen. Im September wird ein Neubau fertig, der die Kapazitäten vervierfacht.


Wer sind Ihre Kunden?


Wir produzieren SB-Obstsalate in Plastikschalen von 200 bis 500 Gramm, außerdem Becher, beispielsweise für Ananas in Scheiben oder in Stücken. Für die vielen Ein-Personen-Haushalte lohnt sich der Aufwand fürs Selberschnippeln nicht. Wenn sich einer ein belegtes Brötchen fürs Büro holt, dann nimmt er in der Bäckerei eben noch ein Schälchen Obstsalat mit. Oder wir liefern die Salate in Eimern von 3,5 bis 10 kg. Damit haben Küchenchefs mit wenigen Handgriffen ein trendiges und gefragtes Convenience-Produkt. Wir liefern auch zu Messen oder Veranstaltungen. Zur Fashion Week machen wir tausend Becher Ananaswürfel oder Melonen-Mix.

Für Hotels und Caterer sind die Personalkosten viel zu hoch, wenn sie das Obst selber zubereiten. Sie können aber die Rezeptur bestimmen, zum Beispiel 10 Prozent oder 30 Prozent Äpfel. Saft machen wir vom Rest nicht. Wir haben aber einen Obstsalat für Krankenhäuser oder Altenheime, der nennt sich „Klitzeklein“. Der kommt sehr gut an. Die anderen Anbieter scheuen die damit verbundene manuelle Arbeit.

Gibt es für das Outsourcing eine Mindestmenge?

Eine Mindestmenge ist schwer zu nennen. In Berlin und Brandenburg kombinieren wir das mit unserem Frischedienst. Da sind wir Vollsortimenter für Händler, Hotels und Gemeinschaftsverpflegung. Wir liefern das komplette Lebensmittel-Sortiment – und packen natürlich auch ein paar Obstbecher mit drauf. Ansonsten bundesweit machen wir nur Obst; da geht nichts unter 100 Kilo. Wir produzieren für Obst- und Gemüsegroßhändler, die dann neben Tomaten und Gurken unsere Obstsalate in ganz Deutschland verkaufen.